Entre la nuit, la nuit et l’aurore

Arcade Fire in Berlin

Arcade Fire

Folgendes vorweg: Es folgt ein absolut überhaupt gar nicht objektiver Konzertbericht der Band Arcade Fire, die am 18. Juni 2014 in/auf der Wuhlheide in Berlin auftrat.

Now i‘m ready to start.

Juhe, endlich! Nach dem Kennenlernen auf dem Hurricane 2007 und dem sehnsüchtig erwarteten Auftritt ebenda 2011 durfte ich meinen besten Freund Arcade Fire in diesem Jahr endlich auch einmal auf einem eigenen Konzert besuchen.

Der Opener Reflektor war super, doch bereits bei dem ersten Lied wusste ich: Ich stehe falsch. Super vor dem ersten Wellenbrecher, aber viel zu weit rechts. Eine merkwürdige Umgebung, es war nicht die optimale Lautstärke, man stand nicht dicht genug an seinen fremden Nachbarn und ich hatte das beklemmende Gefühl, eben diese fänden mein lautstarkes Mitsingen eher grenzwertig gut. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Direkt zum zweiten Song Flashbulb Eyes verließ ich gemeinsam mit F. den Rest meiner Konzertbegleitung und bahnte mich vor; viel besser! Musik war lauter, sodass meine neuen, viel dichter stehenden Nachbarn, gar nicht hörten, wenn ich schief und falsch mitsingen würde. Hach, was soll ich sagen. Schön war’s, sehr schön. Die Lieder des ersten Albums „Funeral“ (2004) lösten die meisten Glücksgefühle aus, direkt gefolgt vom von mir hochgeschätzten Album „The Suburbs“ (2010). Régine Chassagnes unvergleichlicher Gesang zu Sprawl II (Mountains Beyond Mountains) und das Einsetzen der Geigen zur Bridge beim wundervollen No Cars Go… Gänsehaut, let’s go!

Arcade Fire

Höhepunkt war sicherlich die Inszenierung von Supersymentry und It’s Never Over, bei dem Sängerin Régine singend auf einer kleinen Bühne in der Mitte des Publikums stand, umringt von schönen Tänzern und einem, ich nenne es mal, Reflektormenschen. Schade nur, dass ich zu dem Zeitpunkt ein Foto machen wollte und feststelle, dass mein Notfallschokoriegel geschmolzen an meinem Handy klebte. Dennoch ein sehr schönes Duett zwischen Régine Chassagne und Win Butler, auch ohne Foto.

Ich finde es immer wieder bemerkenswert, was für eine Bewegung und Dynamik auf der Bühne herrscht, wenn Arcade Fire Musik machen. 12 musizierende Menschen, die unendlich viele Instrumente beherrschen und dabei noch mit neonfarbenden Gymnastikbändern lachend herumtanzen, wunderbar. Der als Support auftretende Owen Pallett unterstützte die Band mit seinem Geigenspiel, tanzte dafür aber nicht mit Bändern.

Ein kurzes Intermezzo hatten die Reflektors, die mit der deutschen Version des Beatles-Songs I Want To Hold Your Hand auf der Mittelbühne mit ihren Köpfen wackelten und damit die Zugabe einläuteten.

Ein kurzes Intermezzo für allgemeine und unbedeutende Minuspunkte:

-Win, deine Hose saß nicht gut

-Ausfall fotografischer Talente der Autorin aufgrund zu viel Euphorie und besagtem Schokoriegel (Danke für das tolle Foto, Johanna)

Nach „Normal Person“ folgte ein fulminantes Here Comes The Night Time, das mit einem wahnsinnig euphorischen Konfettiregen endete (siehe oben). Im Anschluss daran wurde die Pauke hervorgeholt und ich wusste, jetzt kommt leider wirklich gleich the night time. Der traditionelle Finalsong Wake Up mit Pauke, Schellenring und allem drum&dran wurde lautstark von jedem meiner Nachbarn mitgesungen, die eigene Brust als Pauke verwendet. Und dann waren da zum Schluss nur noch die beiden Trommler, die unter Applaus das Ende betrommelten.

Es war wirklich sehr schön. Es gibt jetzt einige akustische Nachbeben zu Lasten meines Freundes, meiner Mitbewohnerin, meiner Nachbarn, meiner Arbeitskollegen und wohlmöglich auch meiner Sitznachbarn in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich mach aber bestimmt bald leiser.

If this is heaven,
I need something more.

Kategorie Konzerte, Kritiken

Gebürtig aus Delmenhorst, sage ich allen lieber, dass ich aus Bremen komme, um nervigen Sarah Connor-Kommentaren aus dem Weg zu gehen. Musik feiere ich und ich singe alles mit, auch die Geräusche unserer Waschmaschine. In U-Bahnen reiße ich mich zusammen, nicht K.I.Z. mitzurappen, damit mich keiner schief anguckt, während ich bei Florence & the Machine beinahe weinend in der Menge stehe und vor Begeisterung keinen Ton herausbekomme. Ähnlich wie die vier Stadtmusikanten nach Bremen reisten, um Musik zu machen, reise ich durch die verschiedenen Genres, um Musik zu hören.

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