Die Toten Hosen live in Dortmund

You'll Never Walk Alone – auch nicht an Weihnachten

Weihnachten – Um den geschmückten Tannenbaum sitzen, den ganzen Tag lang essen und dazu „traditionelle“ Weihnachtsmusik. Wer glaubt, dass so Weihnachten aussehen muss, hat sich gewaltig geirrt: Denn Weihnachten der etwas anderen Art wurde am 26. Dezember in Dortmund zelebriert.

In einer nicht ganz so stillen Nacht gastierten die Düsseldorfer-Vorzeige-Punk-Rocker, Die Toten Hosen, im Zuge ihrer Tour „Der Krach der Republik“ in der Westfalenhalle. Etwas mehr als zwei Stunden konnten Fans hier ein buntes Programm aus alten, neuen sowie gecoverten Stücken, aber auch Weihnachtsliedern erleben. Eine Mischung, die ganz offensichtlich gut ankam: Es dauerte nicht lange, bis sogar das Publikum auf den Rängen sich erhob und mitsang- und sprang.

Die Toten Hosen

Erst im Sommer feierten Die Toten Hosen ihr 30-jähriges Bandbestehen. Ein ordentliches Alter, das den fünf Musikern auf der Bühne jedoch keinesfalls anzusehen ist. Vor allem Frontmann Campino, übrigens Jahrgang 1962, rannte über die Bühne, als gäbe es keinen Morgen. Selbst einen kleinen Sprung ins Publikum ließ er sich nicht nehmen. Gute Laune stand dabei vor allem bei seinen kurzen Anmoderationen der Songs im Vordergrund: So wurde „Schrei nach Liebe“ als ein Stück von einer „jungen und aufstrebenden Band aus Berlin“ vorgestellt und vor dem Lied „Bayern“ gab es eine Ansprache darüber, dass die wirklichen Gefahren nicht erkannt werden: So stellte Campino (an diverse Politiker gerichtet) die Frage, was sie dagegen tun, dass man „kleine Terroristen im Kindergarten sagen hört, der FC Bayern sei gar nicht so scheiße! Frau Merkel, tun Sie was dagegen,“ so seine Aufforderung.

Aber es gab nicht nur reichlich zu lachen. Auch ernste und sogar traurige Momente fanden Einzug in das Konzert: „Nur zu Besuch“ spielte die Band für Campinos Mutter. Der Sänger selber erklärte:

[quote style=“boxed“]Ein Konzert am 26. Dezember zu spielen ist für mich eine ambivalente Sache. Denn heute ist der Todestag meiner Mutter.[/quote]

Äußerst bewegend waren daraufhin auch die nächsten Minuten. Viele, nicht nur auf den Rängen, insbesondere auch im Innenbereich, setzten und knieten sich hin. Der Saal war erleuchtet von Feuerzeugen und Wunderkerzen.

Die Feuerzeuge kamen aber noch öfters zum Einsatz: Ausgepackt wurden sie zum Beispiel wieder bei „Alles aus Liebe“, ein Klassiker aus dem Jahr 1993. Aber auch weitere Ohrwürmer fehlten nicht: „Altes Fieber“, „Bonnie und Clyde“, „Hier kommt Alex“, „Zehn kleine Jägermeister“, „Pushed Again“, „Paradies“ und „Schönen Gruß, Auf Wiedersehen“. Aber als besonderes Highlight kann sicherlichdie erste Zugabe der Düsseldorfer Band herausgestellt werden: „The Little Drummer Boy“ und „Still, Still, Still“, inklusive Campinos Triangel-Solo samt Zugabe, waren nur zwei der Stücke vom legendären Weihnachtsalbum Wir warten auf’s Christkind der Roten Rosen aus dem Jahr 1998. Und die anwesenden BVB-Fans dürften sich mindestens genauso sehr über die netten Worte der Band über ihren Verein gefreut haben: So sagten die eingefleischten Fortuna Düsseldorf Fans bei ihrem „Auswärtspiel“ in Dortmund, dass sie doch sehr gerührt gewesen seien, als die Spieler vom BVB im Sportstudio nach der Meisterschaft „oder“ dem Pokalsieg (ganz genau wisse man es nicht mehr), „Tage wie diese“ gesungen haben. (Zu sehen in der ZDF Mediathek) Und so erklang in der Westfalenhalle ein großer gemeinsamer Chor von Dortmundern und den Düsseldorfer-Gästen zu dem Hit aus 2012.

Also insgesamt ein zweistündiges Erlebnis, für das man gerne auf die besinnlichen Momente rund um den Weihnachtsbaum verzichten kann. Hoffentlich „Alle Jahre wieder!“

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