Kritik: A HOME. A HEART. WHATEVER. – A HOME. A HEART. WHATEVER.

17. Dezember 2010

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[xrr rating=8.5/10]

A HOME. A HEART. WHATEVER. Das ist Indie, das ist Elektro-Pop, das ist Folk. Aber geht das denn zusammen? Die Antwort liefert das selbstbetitelte Debütalbum des Trios (Tobias Mecklinger, Marcus Schreiner und Florian Zabel) aus München und Augsburg.

Nach drei Jahren intensiver Arbeit gelang ein ausgesprochen vielseitiges und abwechslungsreiches Werk, das A HOME. A HEART. WHATEVER. vom Songwriting, Recording und Mastering bis zum Artwork in alleiniger Regie geschaffen haben.

Mal laden markante Beats, elektrische Gitarren und flirrende Synthesizer zum Tanzen ein. Mal verschmelzen zarte Streicher und eine zerbrechliche Mandoline zu perfekter Melancholie, ehe einen wuchtige Bläser wieder zurück auf den Boden bringen. An anderer Stelle zeigen sich A HOME. A HEART. WHATEVER. mit Banjo und Akustikgitarre im folkigen Gewand.

Kaum zu glauben, dass diese massigen musikalischen Facetten von ein und derselben Band auf ein und dasselbe Album gezaubert haben. Eine so große musikalische Vielfalt bekommt man selten zu Ohren und ich sehr glücklich darüber, in dieses Album reingehört haben zu dürfen. Ich werde so schnell damit auch nicht mehr aufhören! Vorallem gefällt mir die Mischung aus den von mir so gemochten folkischen Einflüssen und der elektronischen Spielereien.

Das Album beginnt mit dem Intro fine in dem Tobias, Marcus und Florian direkt ihr musikalisches Talent beweisen. Nur wenige, aber dafür sehr markante Instrumente gepaart mit einem fabelhaften „Männerchor“. Erinnert mich zunächst stark an Uncle Ho, welche eine meiner favorisierten Bands ist. Da freut man sich direkt auf das Kommende und ich muss zugeben, dass ich zunächst Angst hatte enttäuscht zu werden. Ich wurde nicht enttäuscht und die Ähnlichkeit zu Uncle Ho war schnell verflogen. Die Electro Beats des Songs me, pretender rütteln mich direkt auf. Tatsächlich wurde mein Grinsen noch größer und das Album hatte mich schon an dieser Stelle gepackt. Me, pretender bietet in meinen Ohren einen Placebo-Song mit Ärzte-Einflüssen (die Background-Stimme im Chorus) und extremer Kreativität. Absolut geniale Kombination. Im dritten Song sind die Ärzte-Einflüsse verschwunden, aber noch immer schwebt ein wenig Placebo mit. Es wirkt ein wenig, als würde die Band die beste Musik mit ihrem eigenen Stil kombinieren und mit riesiger Kreativität etwas völlig neues, nie dagewesenes zaubern. Nachdem crystaleyed ohne große elektronische Sounds auskam, packen diese in der Nummer vier your love wieder vollkommen zu und bieten dem Song einen angenehmen Hintergrund. Aufgrund der verzerrten Stimmen fühle ich mich ein wenig an den ein oder anderen [avoid the debris]-Song erinnert, falls diese Band irgendjemanden bekannt ist. A HOME. A HEART. WHATEVER. lässt diese Songs aber um Längen hinter sich und bietet hier einen genialen Chorus mit noch genialeren Sounds.
Nach einem eher melancholischeren absoluten Tipp von mir (bugs & bees), zeigt die Band in inspiration medication eine wieder völlig andere Seite von sich. Wie finde ich diese Seite? Genial! Die Band A HOME. A HEART. WHATEVER. haut mich völlig von den Socken. Enorme elektronische Beats gepaart mit aggressiven Stimmen bieten das Grundgerüst dieses Songs.

In den folgenden vier Songs zeigen die Süddeutschen noch sehr viele Facetten ihres musikalischen Talents und nehmen ihre Hörer in jedem Song mit in eine anderen Welt. Diese enormen Variationen sind wirklich sondergleichen.  Das Album schließt ab mit dem farbenfrohen Song beside ourselves und rundet sich damit selbst aufs Beste ab. Unbedingt müsst ihr euch dieses Album anhören!

Ein sehr gelungenes, buntes und detailverliebtes Debüt der Band A HOME. A HEART. WHATEVER.
Momentan gibt es das Album noch kostenlos auf der Homepage der Band. Unterstützt sie aber ruhig, in dem ihr entweder bei Amazon oder bei Bandcamp zuschlagt. Die CD lohnt sich, denn sie kommt mit einem schönen Artwork (siehe oben) und zusätzlich in einem schicken Digipack daher!

Anspieltipps: me, pretender, bugs & bees, inspiration medication


 

Kategorie Alben, Kostenlose Downloads

Geboren und aufgewachsen in Münster, bin ich mit einem kurzen Zwischenstopp an der Elbe gelandet und wohne nun in Hamburg. Ich bin Gründer von musikgraph.de, Musik- und Internetliebhaber mit großem Interesse an allem, was mit der Musik zu tun hat. Von neuen Songs, über Software und Hardware bis hin zu rechtlichen Aspekten ist alles dabei. (Sebastian bei Twitter und Google+)

3 Kommentare

  1. Du beweist einfach immer wieder einen guten Geschmack, Carla! 🙂

  2. Gerade weil dieses tolle Album im Eigenvertrieb zu haben ist ein Muss.

    „Kaum zu glauben, dass diese massigen musikalischen Facetten von ein und derselben Band auf ein und dasselbe Album gezaubert haben.“ Hab ich mir auch gedacht und im ersten Hörgang dachte ich es hier mit einer Compilation zu tun zu haben. Daumen hoch. Und toller Text.

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