Die Liebesvarianten des Bela B.

Bela B mit Peta Devlin & Smokestack Lightnin` auf  „Klub-Tour“

Bela B

Ich muss sagen: Zunächst war ich skeptisch. Natürlich klang das sehr gut: „Bela B. im klub“! Die Tour wurde aber angekündigt als „Testlauf“ für neue Songs, die im kommenden Jahr auf dem nächsten Album des Musikers erscheinen sollen. Meine Befürchtung in diesem Zusammenhang: Wenn ausschließlich neue Stücke gespielt werden, kann dann in einem Klub überhaupt Stimmung aufkommen? Ich meine: Wenn man die Lieder nicht kennt, kann man ja auch als logische Konsequenz daraus nicht mitsingen. Geht das nicht auf Kosten der Atmosphäre?

Doch meine Angst stellte sich als absolut unbegründet heraus – denn: Dieses Konzert, von dem ich nun berichten werde, war das mit Abstand interessanteste und stimmungsvollste Musikerlebnis, das ich seit langem erfahren durfte.

Aber nun von Beginn: Zunächst ließ sich der Herr Graf bei seinem Konzert im im restlos ausverkauften Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln am 29. September ganz schön bitten. Laut Ticket sollte das Konzert um 20 Uhr beginnen – los ging es jedoch erst 21 Uhr. Dies führte dazu, dass das Publikum leicht nervös wurde und die Spannung, kaum verstummte die im Hintergrund vernehmbare Musik, unerträglich wurde. Über gefühlte Stunden drapierten dabei Roadies auf der kleinen Bühne Handtücher sowie Wasserflaschen und führten zudem in einer Ruhe den Soundcheck Instrument für Instrument durch.

Mit einstündiger Verspätung ging es dann aber doch los – hatten doch schon einige im Publikum Angst gehabt, gleich komme eine Durchsage, dass das Konzert doch ausfallen müsse. Dem war nicht so: So, als wäre nichts gewesen, betrat Bela B. die Bühne und prostete dem bis dahin geduldig warteten Publikum mit einem kleinen Schnäpschen zu, während die Band zu spielen begann.

Die Band – das sind übrigens die aus Nürnberg stammenden Smokestack Lightnin` – wurde dabei zusätzlich von der stimmgewaltigen Peta Devlin unterstützt – eine in Hamburg lebende und in London geborene Musikerin und Musikproduzentin, der nachgesagt wird, sie beherrsche praktisch jedes Instrument. Von ihrem Können überzeugte sie dabei ohne Frage das Publikum während des gesamten Abends.

Zu Beginn stellte Bela B. eine ganze Reihe neuer Songs vor. Thematischer Schwerpunkt: Die Liebe – und das in sämtlichen Variationen. Vom Schluss machen, über Sex im Auto und Spermaflecken auf der Rückbank, Verlassen werden, bis hin zu unerfüllter Liebe und dem möglichen Beginn einer Beziehung, war wirklich so gut wie jede Möglichkeit der Thematisierung vertreten. Und die Weisheit des Tages kam in diesem Sinne auch vom Künstler selber: „Manch einer gibt. Manch einer nimmt. Manch einer gibt und nimmt. So ist das halt.“

Ja so ist das halt mit der Liebe. Aber dabei beließ er es nicht: So gab es auch neue Songs über andere interessante Themen. Einer handelte zum Beispiel von einem Bausparvertrag.

Die musikalische Richtung dieser neuen Stücke beläuft sich dabei auf einer ziemlich gelungenen Gradwanderung zwischen Rock, Country und Rock’N’Roll. Eine meiner Meinung nach brillante Mischung, die beim Publikum wirklich gut ankam und so für ausgelassene „Mit-Tanz-Stimmung“ sorgte. Kaum einer konnte still stehen: Die Rhythmen und musikalischen Finessen der neuen Lieder luden schlicht und ergreifend dazu ein.

Bela B

Aber Bela B. ließ es sich auch nicht nehmen – so kündigte er bereits am Anfang an – auch ein paar seiner „älteren“ Werke zu spielen, etwa wie „Der Vampir mit dem Colt“ und „Letzter Tag“. Seinem Ohrwurm „Altes Arschloch Liebe“ verpasste er dabei ein anderes Kleid: etwas schneller und mit einer Prise mehr Rock’N’Roll. Zudem hielt er mit seiner Ankündigung, auch einige Titel zu covern, Wort: Interessant war hierbei, dass er sich dabei auch selber neu interpretierte. Das Highlight des Abends präsentierte sich so in einer Twist-Version seines „Ärzte-Klassikers“ aus dem Jahr 2000 „Manchmal haben Frauen…“, zu der sich der 50-Jährige ziemlich gekonnt bewegte und die Hüften drehte. Eine hörenswerte (und sehenswerte) Variante des Songs, die man gerne auch zu Hause auf einer CD hätte.

Und Apropos CD: Was wäre ein Konzert ohne Merchandising. So warb Bela B. bereits während des Auftritts für seine Single, die es „nur“ bei den Konzerten zu kaufen gäbe: „Peng!“ Ein Lied über das Aus einer Liebe der etwas makaberen Art im feinsten Country-Stil und mit herausragendem Gitarren-Spiel. Und auch die B-Seite der Single wurde bereits bei dem Konzert präsentiert: „Wenn das mal Liebe wird“ – im Vergleich zum vorherigen Song eine andere Variante des Themas, nämlich der mögliche Beginn einer Liebelei im eher ruhigeren Stil. Und die Songs schienen anzukommen, wenn man dies anhand des Ansturms auf den Verkaufsstand beurteilt.

Aber nicht nur die Musik stand im Zentrum des Interesses: Bela B. schaffte es mal wieder das Publikum mit seiner charmanten Art und Weise für sich einzunehmen. So hielt er nicht mit seiner Nervosität hinter dem Berg. Er sei aufgeregt, da das Publikum so dicht vor ihm stehe, wie er sagte: „Sonst sind da noch immer 30 Meter Platz. Hier steht ihr direkt vor mir. Sozusagen Bela B. zum anfassen.“ Und dies sagte er nicht nur, sondern meinte es auch so: Prompt streckte er sein Bein aus und die erste Reihe konnte ihn berühren – und einer meinte es dabei fast zu gut. „Du hast aber ganz schön fest zugepackt“, so Bela B.

Und auch kleine Pannen machten das Konzert in „kleiner Runde“ noch schöner und Bela B. authentisch: So geriet er zum Beispiel völlig aus dem Kontext, als beim dritten Lied sein Mikrofon lauter gestellt wurde und er sich doch tatsächlich selber hören konnte. Die Folge: Er brach lachend ab und begann den Song von Neuem.

Jedoch darf hier nicht nur Leistung von Bela B. betont werden: Auch Smokestack Lightnin` und Peta Devlin leisteten ganze Arbeit: Egal ob Schlagzeug, Gitarre oder Bass – die musikalische Messlatte war hier hoch angesetzt. Und auch Peta Devlin überzeugte, insbesondere mit ihren starken Gesangseinlagen. Diese beeindruckten auch Bela B., der seiner Gesangspartnerin einen regelrechten Antrag für die musikalische Zusammenarbeit machte.

So kann geschlussfolgert werden: Was lange währt, wird endlich gut – denn Bela B. sagte, dass er die Idee zur Klub-Tour bereits vor zwei Jahren hatte und seitdem immer wieder Songs geschrieben und aufgenommen habe. Und diese lange und ausgereifte Planung hat sich scheinbar gelohnt: Ein wirklich gelungener Abend mit guter Musik und einem sehr lockeren und charmanten Bela B. in einer tollen Club Atmosphäre. Wer also die Möglichkeit hat, für eines der noch folgenden Konzerte dieser Klub-Tour Karten zu bekommen, sollte diese Chance nutzen – denn auf das neue Album mit noch unbekanntem Titel müssen wir vermutlich noch bis Frühjahr warten.

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