Vom inbrünstigen Singen in akkurat geschnittenen Hecken

The National live im Stadtpark, Hamburg

Auf der Wiese sitzen, einem OpenAir Konzert von The National entgegenfiebern, Bier aus Plastikbechern – das alles brachte mir innerhalb weniger Minuten einen Emotionsschub, der mich in Festivalstimmung brachte. Doch genauso schnell verging dieses Gefühl wieder und ich ahnte, dies wird sicher einer unglaublich korrektes Konzert:
Die Hecke im Stadtpark wurde zuvor akribisch geschnitten, die Band betrat, minutiös, um Punkt 20 Uhr die Bühne und Sänger Matt Berninger trug seinen besten Anzug.
The National Open Air
Der Opener war der Song Don’t Swallow The Cap vom neuen Album „Trouble Will Find Me“, was im letzten Sommer erschien. An dieser Stelle: Asche auf meine Tomaten – ich kannte das Lied nicht. Leider hab ich mir nie die Zeit genommen, in das neue Album mit dem unglaublich tollen Plattencover reinzuhören..(mehr Asche).
Aber: Die Stücke aus dem großartigen „Boxer“-Abum (2007) fand ich ganz wundervoll. Ein brilliantes Ada, ein besseres Misstaken for Stranger und ein noch größeres Squalor Victoria. Und langsam, ja doch spätestens beim soeben genannten Titel, entfernte sich dieses vorbildliche Konzept und das besagte Gefühl von Festival kam zurück. Bier wurde ins Publikum geworfen, Texte vergessen, Einsätze verpatzt. Matt Berninger sang inbrünstiger, das Publikum applaudierte lauter. Spätestens als Matt sich den Weg durchs Publikum bahnte (Mikrofonkabel my ass) – allerspätestens beim zweiten Mal, allerallerspätestens dann aber beim dritten Mal – wich die durch die Songs getragene Melancholie entgültig.

Nach akkuraten 1 1/2 Stunden fand das Konzert mit dem Song Fake Empire ein herzklopfendes und perfekt abgerundetes Ende. Ich befürchtete schon, es gäbe keine Zugabe. Doch doch doch! Und endlich setzte auch die Dämmerung ein und gab dem Konzert eben auch die richtige Atmosphäre. Mr. November – großartig! Mit inbrüstigem Gesang lehnte sich Sänger Matt Berninger in die so sorgfältig geschnittene Hecke und vor lauter Freude wurde erneut Bier verschüttet.
Allerschönstes Ende mit Vanderlyle Crybaby Geeks in einer Akustikversion vor der Bühne mit dem Publikum im Nieselregen.. haaach.

Kategorie Konzerte, Kritiken

Gebürtig aus Delmenhorst, sage ich allen lieber, dass ich aus Bremen komme, um nervigen Sarah Connor-Kommentaren aus dem Weg zu gehen. Musik feiere ich und ich singe alles mit, auch die Geräusche unserer Waschmaschine. In U-Bahnen reiße ich mich zusammen, nicht K.I.Z. mitzurappen, damit mich keiner schief anguckt, während ich bei Florence & the Machine beinahe weinend in der Menge stehe und vor Begeisterung keinen Ton herausbekomme. Ähnlich wie die vier Stadtmusikanten nach Bremen reisten, um Musik zu machen, reise ich durch die verschiedenen Genres, um Musik zu hören.

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