50 Jahre Bela B. Felsenheimer

Bela B. Felsenheimer

Ich hab‘ kein Chef und kein Büro.

Na das kann Herr Felsenheimer auf jeden Fall von sich behaupten: Er ist sein eigener Chef! Doch was lässt sich außerdem über diesen Mann sagen, der am 14. Dezember 1962 in Berlin-Spandau geboren wurde?

Ich bin ein Popstar…

Alles zu seiner Person zusammenzutragen, ist sicherlich sowieso unmöglich. Hält Bela B. doch vor allem sein Privatleben tatsächlich privat. Lediglich kleine Randbemerkungen geben Aufschluss über die Person hinter dem „Popstar“. So wurde er zum Beispiel im April diesen Jahres in der Sendung „Roche & Böhmermann“ als das erwachsenste Mitglied der besten deutschsprachigen Punkband sowie als häuslich mit einem einfühlsamen Gemüt beschrieben. Ob das stimmt, können höchstens gute Freunde oder die Familie sowie Bela B. selber bestätigen. Richtige Hardcore-Fans sind da vielleicht besser im Bilde, aber das Private hält der Drummer der Besten Band der Welt im Grunde weitestgehend aus der Öffentlichkeit fern. Was die Musik betrifft, sieht es aber anders aus. Vor allem über seine musikalischen Anfänge schwieg er nie.

Weil ich Schlagzeuger bin…

Die Leidenschaft für das Schlagzeugspielen entdeckte Dirk Albert Felsenheimer mit ungefähr dreizehn Jahren. Dass es dazu kam, hat er in gewisser Weise doch irgendwie seiner Schwester zu verdanken: Sie war mit dem älteren Rolf zusammen, Leader der Schülerband von Belas damaliger Schule. Die Mutter der beiden wollte nun aber verständlicherweise nicht, dass sich Belas Schwester alleine mit Rolf in seinem Elternhaus traf. Bela musste so als „Anstandsdame“ herhalten, wurde aber bei diesen Verabredungen in den Keller, der gleichzeitig auch Proberaum von Rolfs Band war, verfrachtet. Dort stand auch ein Schlagzeug, das sich Bela zum Üben aussuchte. Später, nachdem er sich mit der Unterstützung der Oma ein Schlagzeug leisten konnte, kam er durch eine Anzeige in Kontakt mit zwei Studenten. Mit ihnen gründete er die Band „Empire“. Gespielt wurden jedoch ausschließlich Coversongs im Stile einer Schulband. Der erste Auftritt sollte auch der einzige bleiben: Vor rund 700 Leuten auf dem Schulabschlussfest.

Als ich den Punk erfand…

Und auch die Leidenschaft für den Punk entfachte zu jenem Zeitpunkt immer stärker: Belas erste Punkplatte war Johnny Thunders and the Heartbreakers und bei seinem ersten Punk-Konzert spielten White Russia, Tempo und Din A Testbild. Mit „Stulle mit Jagdwurst“ gab es auch ein erstes selbstgeschriebenes Lied, das jedoch bis heute nicht veröffentlicht wurde, weder von Soilent Grün, noch von Die Ärzte.

Tipp:  Melancholie und Euphorie

Das darfst du…

Mit Hussein Kutlucan und Bernd van Huizen gründete Dirk Felsenheimer schießlich Soilent Grün, benannte nach Richard Fleischers Science Fiction-Film „Soylent Green“. Als Gitarrist konnte zunächst Kai-Uwe Schmidt gewonnen werden. Und wie es weiter ging, weiß sicherlich jeder, der die Die Ärzte-Fan ist. Hier die Kurzzusammenfassung: Der erste Auftritt von Soilent Grün im KZ36 – Gitarrist Schmidt fliegt aus der Band – Ersatz: Jan Ulrich Max Vetter, später  bekannt unter dem Künstlernamen Farin Urlaub.

Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick?

Wie genau sich das legendenumwobene erste Treffen von Dirk Felsenheimer und Jan Vetter abgespielt hat, ist heute nicht mehr so ganz bekannt. Der Ort hingegen schon: Das Ballhaus Spandau. Die beiden waren sich sehr sympathisch, sodass das erste gemeinsame Konzert von Soilent Grün mit Jan schließlich am 30. Mai 1981 gespielt wurde. Nach einigen internen Unstimmigkeiten kam es aber schließlich zur Auflösung der Band.

Hast du nichts Besseres zu tun, als die Die Ärzte zu hören?

Die Nachfolge-Band wurde schließlich Die Ärzte genannt. Als Bassist kam Hans Runge dazu, der sich Sahnie nannte. Im Frühjahr 1985 ging es dann auf die erste größere Tour. Eine weitere folgte. Die Popularität schoss immer mehr in die Höhe: Ein Artikel in der Bravo – Vertrag bei der Plattenfirma CBS Records – „Debil“ erschien – der Film „Richy Guitar“ kam heraus. Die Band wurde immer erfolgreicher. Zu dieser Zeit begannen die Probleme mit Sahnie auch immer größer zu werden. Ersetzt wurde er aufgrund der Reibereien von Hagen Liebing.

Ne Party ohne Sinn…

Es folgten Indizierungen, weitere große Erfolge, Auflösungsgedanken initiiert von Farin, letztendlich auch die Trennung, das Abschiedskonzert am 09. Juli 1988 auf Westerland, das Dreifach-Live-Album „Nach uns die Sintflut“ und noch vieles mehr, was hier nicht alles erwähnt werden kann. Nach der Trennung war Bela auch anderweitig musikalisch tätig: S.U.M.P. und Depp Jones sind hier zu nennen.

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Die Ärzte

Wir sind wieder da…

Schließlich die Die Ärzte-Wiedervereinigung mit Rodrigo Gonzáles als Bassisten im Jahr 1993. Die neue Platte erschien am 10. September des gleichen Jahres. An den alten Erfolg wurde angeknüpft – und das bis heute: Nach „Die Bestie in Menschengestalt“ folgten weitere erfolgreiche Alben. Hits kamen und setzten sich in den Köpfen der Fans fest. Zuletzt erschienen in diesem Jahr: „auch“. Das Album enthält wieder Ohrwürmer, vor allem von Bela B.: „Bettmagnet“ und „Miststück“ sind nur zwei von seinen Songs.

Ist das alles?

Aber das soll hier ja keine Lobeshymne auf die Die Ärzte sein, sondern um Bela B. Felsenheimer gehen. Dennoch wird er oft über diesen Teil seines Lebens definiert. Macht er doch einen sehr großen Teil auch aus. Jedoch ist Bela B. mehr als (nur) ein Teil der besten Band der Welt. So ist er unter anderem auch ein guter Hörbuch-und Hörspielsprecher. Herausragend in zum Beispiel „Die Brautprinzessin“ und, passend für das Jahr 2012, in „Exit Mundi – die besten Weltuntergänge“. Auch seine schauspielerischen Ambitionen sollten nicht unterschlagen werden: Von Gastrollen in „Wilsberg“, „Tatort“ und sogar Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, bis hin zu Rollen in „Deichking“ und „Edelweißpiraten“. Und auch solo musikalisch durchaus erwähnenswert: Hinter den Alben „Bingo“ und „Code B“ verstecken sich interessante Songs wie „Tag mit Schutzumschlag“, „1. 2. 3. …“, sowie „Altes Arschloch Liebe“.

Gut, dass ich erwachsen bin…

 Über Bela B. Felsenheimer könnte noch so viel mehr gesagt werden – Vieles lässt sich mit ihm verbinden. Einige Stichpunkte, die sofort in den Sinn kommen, aber hier nicht weiter ausgeführt werden können, sind: Vampirismus, ständig neue Frisuren, Kiss, Horrorfan, Ramones, Tattoos, Elvis Presley, das Okkulte, Ringe, Autounfall, Barney Geröllheimer, Drogenerfahrungen, Synchronsprecher, Bela Lugosi und und und und. Die Liste kann endlos fortgeführt werden. Ein sehr vielseitiger Mensch, dem ich mit diesem Artikel sicherlich nicht mal im Ansatz gerecht werden konnte.

Ein neuer Tag bricht an… 

Am 14. Dezember 2012 wird dieser Mann bereits 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert Bela B. Felsenheimer. Und wer ihn schon mal live auf der Bühne erleben durfte weiß: Das merkt man ihm nicht an! Hoffentlich bekommen wir in den nächsten (50!) Jahren noch mehr von ihm zu sehen und vor allem zu hören.

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Happy Birthday Bela B. Felsenheimer!

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