Im Interview mit 7ty Proof

7ty Proof

Foto: 7typroof.de

Ein Couchtisch mit leeren und halbvollen Whiskey- und Bierflaschen, umrundet von versifften Sofas, Wände drapiert mit Tourplakaten, auf denen fünf gestandene Männer mit cooler und fast schon selbstverliebter Miene in geübter Rocker-Pose in die Kamera blicken – gelinde ausgedrückt: 7ty Proof ist keine Band, die sich gerne in Bescheidenheit und Introversion übt. 1996 begann jedoch alles ganz klassisch mit einer Jam-Session im Keller. Seitdem lebt die Kaiserslauterer Cover-Rockband 7ty Proof Sex, Drugs & Rock’n’Roll mit Leib und Seele, das Musikrepertoire ist ein Mix aus Evergreens des Classic Rock von Deep Purple, Manfred Mann’s Earth Band, Pink Floyd oder auch Bon Jovi. Zum 15jährigen Jubiläum krönte die Band um Andy Braun (Front-Sänger), Christian Esche (Gitarre), Chris Strasser (Drums), Frank Hupprich (Bass) und Marco Leonhardt (Keyboard) ihre bisherige Cover-Karriere mit der ersten eigenen Single „Wild at Heart“. Bei strömenden Regen spreche ich mit den Pfälzern in ihrer chaotischen Rocker-Butze auf einem ehemaligen Militärflugplatz über Rockklischees und das Leben als harte Jungs.

Warum jetzt erst nach 15 Jahren die erste Eigenproduktion? War das ein persönliches Geburtstagsgeschenk an euch selbst? 

Chris: Zum 10jährigen hatten wir schon ein Buch rausgebracht und dieses mussten wir ja toppen…
Andy: Unsere Fans sagten schon ewig, wir sollten was Eigenes rausbringen, weil wir einfach ein gewisses Charisma hätten. Wir dachten, okay, wir müssen mal in die Gänge kommen. Wie es der Teufel will, ist mein Cousin ein Profi-Musiker und hat uns beim Schreiben unterstützt.

Fühlt ihr euch nun wie echte Rockstars?

Chris: Wir sind echte Rockstars! (lacht).
Andy: (beugt sich zu den anderen). Sehr gut Jungs, ihr habt es verinnerlicht. Born to be a Rockstar!

Zum Song habt ihr auch gleich ein Video gedreht. In einem Muscle-Car gen untergehende Sonne… Hattet ihr euch den Dreh so vorgestellt?

Christian: Es war luftig und windig.
Andy: Wir wollten eigentlich bei strahlendem Sonnenschein drehen… Mal im Ernst: Es war geil! So ein Dreh war für uns echt was Neues. Wir wussten nicht, wie wir uns verhalten sollten. Aber ich sag dir ehrlich: Für uns war das überhaupt kein Problem. Wir stellten uns dahin, machten unser Playback und zogen die Show ab, als wenn es nichts wäre.

Euer Proberaum schreit nur so vor Rockklischees: Whiskeyflaschen, aufreizende Frauenbilder… Hat hier alles angefangen? 

Andy: Nein, das ist „Hell House II“. (lacht). Hier auf dem Flugplatzgelände hatten wir anfangs ein komplettes Haus.
Chris: Sogar ein ganzes Areal!
Andy: Im Winter war es scheiße kalt! Wir mussten immer erst drei Stunden heizen, bis wir anfangen konnten zu proben. Das war echt furchtbar.

So große Strapazen nur für die Musik…

Andy: Aber wirklich. Die Wiese drum herum ist übrigens mal in Flammen aufgegangen! (lacht laut und haut sich auf die Schenkel).

Habt ihr „Highway to Hell“ etwa ein bisschen zu ernst genommen?

Andy: Stell dir vor: 5000 m2 lagen in Flammen! Wir wollten damals ein Grillfest machen. Unsere Eltern wollten ein bisschen helfen und hatten angefangen, die Wiese mit einem Traktor inklusive Drescher zu mähen. Was keiner wusste: Mitten in der Rasenfläche war ein Gulli. Es war ein super heißer Tag… Das Teil fährt darüber und flupp! Die Funken flogen wild und das ganze Areal fing schlagartig an zu brennen! Hammer!

Die abgebrannte Wiese passt zum Image der harten Jungs. Seht ihr euch selbst als Verteidiger der alten Rockszene, das Kontrastprogramm zu den Lady Gagas dieser Welt?

Andy: Auf jeden Fall! Yeah, the defenders of old Rock’n’Roll! Wir spielen ganz normalen Rock, den es schon immer gegeben hat und der auch nie aussterben wird. Ich weiß nicht, ob es Lady Gaga in 10 Jahren noch gibt… Deep Purple kommt seit 40 Jahren gut an.
Chris: Musik muss ehrlich rüber kommen. Wenn wir aktuelle Popmusik covern würden, dann würde das einfach nicht zu uns passen.

War das einer der Gründe, warum ihr euch von Anfang an dazu entschlossen habt, Classic Rock-Cover zu spielen?

Christian: Wir sind mit dieser Musik aufgewachsen.
Andy: Unser Programm war von Anfang an Partyrock, also das gängige Material, das alle Leute kennen und mitsingen können. Als Cover-Band bekommt man außerdem viel schneller und einfacher Auftritte. Mit eigenen Songs muss man sich ja erst mal profilieren. Wenn man dann kein gescheites Material hat, muss man zunächst vor 20, 30 Leuten spielen. Wir sind eine Poser-Band, wir wollten von Anfang an unbedingt vor einem großen Publikum mit mindestens 200, 500, 2000 Leuten auftreten.

Wie liefen eure ersten Auftritte?

Christian: Wir haben uns mehr um Werbung als um die Musik gekümmert. Wir gingen einfach mit einem riesigen Selbstvertrauen an die Sache ran. Die erste Aufnahme war super grausam.
Andy: Am Anfang spielten wir komischerweise vor Bikern. Die haben nämlich meistens keine Kohle. Biker machen ja immer einen auf cool. Wenn sie überhaupt mal so mit dem Fuß wippen, dann hast du schon gewonnen. Und Sponsoren finden war natürlich das allerschwerste. Cover-Bands gibt es wie Sand am Meer. Ich hab als Manager seitenlange Briefe geschrieben, was das Besondere an 7ty Proof ist. Heute ist es so: Wir können mehr als wir Werbung dafür machen können.

Einer eurer Sponsoren ist ein Dessous-Hersteller. Stripperinnen und dergleichen sind bei euren Auftritten auch keine Seltenheit. Gehört Sex zu einer guten Rock-Performance dazu?

Chris: Ich sag’s mal so: Es macht uns nichts aus.
Andy: Es ist doch schön, wenn eine nackte, gutaussehende Frau auf der Bühne zu sehen ist. Das freut uns und das Publikum auch. Wir sind ja auch gut aussehende Männer.

Habt ihr euch schon mal um eine Frau gestritten?

Andy: Niemals! Wir sind uns total einig: Erst kommt der Sänger, dann der Gitarrist, dann der Schlagzeuger und danach können sich die anderen beiden absprechen…
Christian: Übrigens funktioniert die Masche mit der Briefmarkensammlung sehr gut. (zeigt auf ein Bild mit vielen Briefmarken, die nackte Frauen zeigen).

Die Briefmarkensammlung ist ja langweilig. Die Gitarre dahinten ist viel spannender… (ich zeige auf eine Gitarre, die mit Strings eingewickelt ist). Sind das eure Trophäen?

Andy: Ja sicher. Die haben wir von den Otterberger Spielerfrauen erhalten… Nein, das ist alles nur Fake. Bei uns ist alles Klischee. Die Slips sind selbst gekauft und selbst drangehängt… Wie gesagt, wir sind Poser.

Jetzt hatten wir Rock und Sex, kommen wir nun zum Thema Drugs. Euer Bandname entstand in Anlehnung an die Alkoholprozentzahl von Whiskey, nämlich 80 %. Da ihr mit sieben Musikern angefangen habt, nanntet ihr euch „70 %“, Englisch ausgesprochen „70 proof“. Ist das, was dort auf dem Tisch steht, euer Durchschnittsverbrauch an Alkohol pro Probe? Welche Rolle spielt Alkohol generell für euch als Rocker?

Andy: Normalerweise sagt man, dass Musiker immer trinken. Aber ich trinke es auch verdammt gerne! Am liebsten Jacky Cola.
Christian: Nein, lieber Sekt! Ich bin der Süße unter uns.
Andy: Als Musiker kommt man um das Trinken ja gar nicht drum herum. Auf der Bühne trinke ich allerdings nur Wasser… Früher war das anders. Immer wenn ich von der Bühne gehe, kommen Leute auf mich zu und sagen: „Geile Show! Komm, lass uns einen trinken“. Da will man auch nicht nein sagen…

Habt ihr ein Ritual vor dem Auftritt?

Andy: Ohne eine Flasche Whiskey gehen wir nicht auf die Bühne. Nein, wir trinken einen Drink und klatschen uns ab. Sehr oft klatschen wir uns auch selbst Beifall… (klatscht laut und lacht).

„7ty Proof“ ist ein Freizeitprojekt. Im normalen Leben geht jeder von euch einem geregelten Beruf nach. Warum tut man sich diesen Bandstress neben dem Beruf überhaupt an?

Christian: Es ist die pure Lust, auf der Bühne zu stehen, das Ausleben eines Jugendtraums.
Andy: Auftritte vor einem großen Publikum mit 500, 600, vielleicht 1000 Leuten motivieren einfach ungemein. Genau das ist es, was uns antreibt und uns immer weiter machen lässt.

Eine Art Sucht?

Chris: Absolut. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, ohne die Band zu sein.
Andy: Chris sagte vor Jahren mal etwas ganz Entscheidendes: „Andy, jede Band macht ihre Phasen durch. Aber mein Ziel ist es, mit euch in Rente zu gehen.“ In diesem Moment dachte ich, dass ich Chris nicht enttäuschen darf. Solange mich dieses Versprechen motiviert, kann ich nicht aufhören.

Es gab noch keine Band-Krise, die euch von diesem Versprechen abgehalten hat?

Andy: Doch schon. Es gibt immer mal Phasen, in denen man sich auf die Nerven geht. Die jetzige Besetzung ist auch nicht die vom Anfang. Momentan passt alles und jeder fühlt sich wohl.
Chris: Die Top 5!
Andy: Das ist auch einer der Hauptgründe, warum 7ty Proof funktioniert. Wir haben ein saugutes Verhältnis miteinander, wir gehen total aufeinander ein, sehr oft werden auch private Probleme in der Band besprochen. Wir ziehen uns gegenseitig hoch. Und dann ist es auch nicht so schlimm, wenn man mal nur vor 20 Leuten spielen muss. Wir ziehen untereinander die Show ab und machen Party ohne Ende – wie eine Gang.

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