Im Interview mit ILLUTE

Meine kleine „Winterpause“ ist vorbei, das Jahr 2011 hat gerade erst begonnen und schon heute gibt es wieder ein kleines Highlight. ILLUTE hat sich dazu bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten und heraus kam dieses wunderbare Interview. Vor ein paar Tagen gab es als kleines Weihnachtsgeschenk von mir die Kritik über ILLUTEs Debüt „Immer kommt anders als du denkst!“. Außerdem habe ich euch bereits den kostenlosen Song „You Go“ vorgestellt.

Hallo Ute! Super, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst. Stell dich meinen Lesern doch kurz vor.

Hallo Sebastian 🙂 (Vorstellung siehe Grafik)

Dein Künstlername lautet „ILLUTE“. Wie ist dieser entstanden?

Ich habe immer schon sehr viel gezeichnet und gemalt, und habe dann beschlossen Illustration zu studieren. So wurde aus Illustration und Ute illute.

Gibt es andere Künstler, die dich und deine Musik in irgendeiner Art und Weise inspirieren?

Oh ja, auf jeden Fall. Alle Menschen, die mich berühren, mit dem, was sie schaffen, sagen, machen, sind eine Inspriationsquelle für mich.

Dein Album „Immer kommt anders als du denkst!“ ist im Oktober erschienen. Meiner Meinung nach eine wirklich super Zusammenstellung, die es auch in die Auswahl meiner Top 10 Alben 2010 geschafft hat. Sie wirkt auf mich wie die Erzählung einer Lebensgeschichte. Liege ich da richtig?

Jetzt wo du es sagst…. hehe. Ich habe mir nicht bewusst überlegt, eine Lebensgeschichte auf der CD zu erzählen. Aber es stimmt, die Lieder sind sehr persönlich, und in verschiedenen Lebensphasen entstanden. Dadurch erzählen sie vielleicht wirklich eine Geschichte. Aber am Schönsten finde ich es, wenn jeder seine eigene Lebensgeschichte in die Lieder legt.

Wie viele Songs standen zur Auswahl? Bist du mit deiner Auswahl und deinem Album zufrieden?

Das Album ist regelrecht, wie eine Pflanze gewachsen. Wir haben einfach angefangen, zusammen zu musizieren, und nach und nach haben sich Strukturen herauskristalisiert. Dann wurde immer wieder verändert, zur Seite gelegt, ein- und aussortiert. Vom ersten Ton bis zur fertigen CD, das war für mich ein sehr spannender Weg.

Den Song „Viva la ignorancia“ hast du einmal als “Liebeserklärung an die Unwissenheit” beschrieben. Was war deine Inspiration?

Ich hab das Lied geschrieben, nachdem ich eine zeitlang in Spanien gewohnt habe. Die Erfahrung, irgendwohin zu gehen, wo man niemanden kennt, und die Sprache noch nicht richtig versteht, dort einen neuen Alltag zu leben, und gleichzeitig den Kontakt zum alten Leben und der alten Liebe zu halten. Die Erfahrung, wenn die gewohnte Kommunikation erstmal nicht funktioniert, man die gewohnten Schubladen nicht aufziehen kann, da entdeckt man neue Seiten an dem was man Unwissenheit oder Vertrauen nennt. Und natürlich an sich selbst. Das hat mich inspiriert.

Wo wir gerade bei „Viva la ignorancia“ sind. Du singst teilweise auf Spanisch und singst zugleich davon, dass du in Spanien warst. Hast du dort deine Liebe zur Sprache entwickelt?

Eine sehr gute Freudin beschäftigt sich seit langem sehr leidenschaftlich mit der spanischen Sprache. Wir haben uns während des Studiums kennengelernt und sind dann zusammen nach Spanien gereist. Bei mir ist dann ziemlich schnell der Funke übergesprungen.

Wenn du Spanisch singst, klingst zu zeitweise ein wenig wie Shakira. Bedeutet dir eine solche Aussage etwas?

Shakira ist eine tolle Frau, ich mag ihre Stimme, ihre Energie und ihr Temperament. Wieviel das mit mir zu tun hat, weiß ich nicht.

Du singst auch auf Englisch, Schwedisch oder Japanisch. Wo hast du die vielen Sprachen gelernt?

Ich spreche nicht so viele Sprachen. Ich habe englisch und französisch in der Schule gelernt und später dann spanisch. Aber Sprachen und Dialekte faszinieren mich einfach. Und wenn man sich ein bisschen mit einer Sprache, mit Grammatik und Phonetik beschäftigt, kann man so viel entdecken und anderen Kulturen und Menschen ein bisschen näher kommen. Und da ich auch gerne reise, habe ich das irgendwann mit der Musik verbunden. Freunde, die mir geholfen haben, in ihren Heimatländern Konzerte zu spielen, haben für mich Lied-Texte übersetzt und mir die Aussprache beigebracht, und ich habe dann zu den Ländern, in die ich gereist bin, kleine CD-Siebdruck-Editionen gemacht.

Ist es ein besonderes Gefühl in einer fremden Sprache zu singen?

Für mich hat meine Muttersprache eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist mir so unglaublich nah. Ich springe in ihr durch meine Gedanken. Und ich finde es toll, auf Sprachen zu singen, die für andere Menschen Muttersprachen sind. Das fühlt sich gut an. Und in dem Moment verweben sich so viele Ebenen. Musik als universelle Sprache, Sprache als Musik. Toll!

Auf deinem Album sind vielerlei begleitende Instrumente zu hören. Wenn du auftrittst, sieht man meistens nur dich und deine Gitarre. Stehst (sitzt) du lieber alleine auf der Bühne?

Das hat sich einfach so entwickelt. Ich habe angefangen Lieder zu schreiben und zu singen, irgendwann habe ich den Schritt auf die Bühne gemacht und im Laufe der Zeit haben sich dann auch Zusammenarbeiten mit anderen Musikern ergeben. Es ist toll, mit Anderen auf der Bühne zu stehen, gemeinsam ein Konzert zu bestreiten, die Gefühle und Erlebnisse zu teilen. Leider lässt sich so eine Zusammenarbeit aber aus finanziellen und organisatorischen Gründen oft nicht realisieren. Sonst hätt ich bestimmt schon mal mit einem Orchester auf der Bühne gestanden. 🙂

Ganz besonders interessant finde ich den Song „You Go“. In einem Video dazu sieht man lediglich dich und deine Kalimba. Das Ganze erinnert mich ein wenig an meine Kindheit. Ich habe mit nahezu jedem Gegenstand versucht Melodien zu erzeugen. Ist dieses Lied auch eher zufällig entstanden?

Die Kalimba ist ein wunderbares Instrument. Sie ist mir immer mal wieder begegnet, und irgendwann habe ich mir dann selbst eine gekauft. Ich habe ein bisschen auf ihr geklimpert und die Töne haben mich sofort inspiriert. Ich hab dann mit dem „you go“-Text etwas dazu improvisiert, und das einfach mal auf einem Konzert ausprobiert. Auf der letzten Tour haben dann Fabian und Daniela mitgesungen, und dabei entstand die Idee, das Ganze als richtigen „Song“ aufzunehmen.

Ist die Gitarre dein Lieblingsinstrument?

Musikinstrumente haben mich immer schon fasziniert. Ich habe verschiedenste ausprobiert und auch gelernt. Zur Gitarre kam ich ziemlich spät, und auch nur, weil plötzlich eine auf meinem Geburtstagstisch lag. Die innigste Beziehung habe ich zum Klavier. Leider ist es auf Reisen ein etwas sperriges Instrument.

Gefühl und Musik sind für mich …

das, was mich lebendig macht.

Heutzutage gibt es neben Flatrate-Angeboten wie napster auch Streaming-Anbieter wie simfy oder spotify, durch die die eigene Plattensammlung für den einen oder anderen quasi überflüssig wird. Wie stehst du als Künstlerin dazu?

Tendentiell finde ich es schade, dass durch das Internet zunehmend die haptische Ebene verloren geht. Aber so ist es nunmal, die Welt verändert sich ständig, Neues entsteht und das alte verändert sich dadurch mit. Und Bücher und Schallplatten bekommen dadurch ja auch einen neuen Wert.
Und natürlich finde ich es schade, wenn Musik so einfach konsumiert werden kann, so dass gar nicht mehr reflektiert wird, wieviel Arbeit in so einer mp3-Datei steckt. Aber dagegen anzugehen und Verbote auszusprechen ist meiner Meinung kein sinnvoller Weg. Energie geht ja nie verloren, sie taucht nur an anderen Orten wieder auf. Vielleicht kaufen die Leute weniger CDs, gehen dafür dann aber öfter auf Konzerte.

Ich persönlich bin ein großer Fan der CD, setze mich gerne aufs Sofa und genieße den Klang der Musik über meine Anlage. Wie hörst du am liebsten Musik?

Am Liebsten höre ich Musik, beim Zeichnen – wenn ich am Schreibtisch sitze und in meiner Kritzelwelt versinke, und alle Sinne sich mit einander verbinden.

Wo hörst und wo machst du am liebsten Musik?

Musik kann man überall machen, und es macht fast immer Spaß.

Du kommst ursprünglich aus der Nähe meiner Heimatstadt Münster. Genaugenommen aus der Soester Börde. Hat dich die Musik in die Ferne getrieben?

Ich weiß nicht, was mich treibt, aber die Musik bringt mich zu mir selbst.

Und zum Schluss: Möchtest du meinen Lesern und mir noch etwas mit auf den Weg geben?

Ui, da ziehe ich mal mit meinem Zufallsgenerator eine Karte aus meinem Sprüche-Set vom Dalai Lama. Moment – so: „Bedenke, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.“

Vielen Dank für das Interview.

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Kategorie Interview, Musik & Videos

Geboren und aufgewachsen in Münster, bin ich mit einem kurzen Zwischenstopp an der Elbe gelandet und wohne nun in Hamburg. Ich bin Gründer von musikgraph.de, Musik- und Internetliebhaber mit großem Interesse an allem, was mit der Musik zu tun hat. Von neuen Songs, über Software und Hardware bis hin zu rechtlichen Aspekten ist alles dabei. (Sebastian bei Twitter und Google+)

3 Kommentare

  1. Pingback: analogsoul blog » links // DIE LIEBEN KOLLEGEN

  2. sasstroper

    Sehr ehrliches und informatives Interview.
    Besonders gefällt der Schluss.
    Mein Zufallsgenerator hat einen anderen Spruch des Dalai Lama aus Illutes Edition gezogen:
    „Hab Respekt!“
    Alle 19 liebevoll illustrierten Sprüche auf
    myspace.com/illute unter Bilder
    Viel freudiges Nachdenken

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