Kritik: This Way to the Egress – Delicious Cabaret

[quote style=“boxed“]I want to be every little womans perfect dream. Cos I persist and pretend to love myself.
This way to the Egress – Last Kiss[/quote]

This Way to the Egress – auf jeden Fall etwas für Voltaire Fans, denn sie waren wertvolle Unterstützung auf seiner Black Unicorn Cabaret-Tour in den US!

Nachdem ihr This Way to the Egress letztes Mal schon bei uns im Interview kennenlernen durftet, geht es dieses Mal um ihr erstes Album „Delicious Cabaret”. Diese Band aus Pennsylvania/US hat mit ihrem ersten Album wirklich ein phänomenales Debüt hingelegt.

Stylistisch ordnet sich This Way to The Egress unter Old Time Gypsy Cabaret ein, eine Mischung aus Experimental/Elektroakustik und Klassik. In anderen Worten ein Album, das einen beim Zuhören hoch- und runterhopsen lässt.

Das Cover macht erst einmal neugierig, denn es ist wie der „Wanted“ Zettel alter Verbrecher aufgezogen. Auch der Aufdruck auf der CD überzeugt und ist bunt – wie die Stimmung der Musik. Schon die Verpackung hat mich also erfreut und zeugt von einer gehörigen Portion Humor.

Instrumental hat das Album einiges zu bieten. Nicht nur wechseln die Vocals zwischen Sarah (ihre Stimme gefällt mir besonders) und ihren beiden Bandmitgliedern Taylor und Mat, auch die Vielzahl an Instrumenten ist Abwechslungsreich. Heraushören könnt ihr also Glockenspiel, Akkordeon, Cello, Gitarre, Klavier, Mandoline, Trompeten, sogar eine jaw harp und und und.

Mit den elf Tracks deckt das Album „Delicious Cabaret“ eine gute Reihe an Musikstimmungen und –richtungen ab. Einstimmung ist der Song „Last Kiss“. Das Intro ist zunächst mysteriös und geht dann gleich ins Ohr mit den ersten rhythmischen Sätzen. Besonders die Geigen und das Glockenspiel geben diesem Song wirklich etwas von Zigeunern und dem wilden, bunten Treiben – das man in so vielen Filmen sehen kann.

Weiter geht es mit dem Song „Turpentine“. Es ist eindringlicher und dramatischer, nichtsdestotrotz geht er ins Ohr. Allerdings nicht so sehr wie mein persönlicher Favorit – Lied drei „Chapel Hill“.

[quote style=“boxed“]She buried my heart on Chapel Hill and rotting so I smell her still
This Way to the Egress – Chapel Hill
[/quote]

Hier gefällt mir besonders der Wechsel der Vocals und die schnarrenden Trompeten mit den Streichern. Auch die Lyrics sind so schwarz und humorvoll, dass es unweigerlich ein gute Laune Hit ist.

Weiter geht es mit „On A 45“. Charakteristisch sind Beat und Streicher, besonders am Anfang, die sich durch das ganze Lied ziehen. Die Vocals sind schnell und rhythmisch, sodass man unweigerlich mitsummen möchte. Auch hier sind die Lyrics unklar und regen zum Denken an, besonders der Refrain ist schnell eingeprägt und singbar.

Während „Flirtin‘ with Death“ deutlich ruhiger, mysteriöser ist und mich fast schon an Swing erinnert, geht es in „Gypsy Shoe“ schon wieder rasanter und fröhlicher zu. Genau das Gegenteil scheinen die Lyrics zu besingen: sie beschreiben eine Welt in weißer Asche, ätzenden Regens und weißen Staub. Hier hört man auch besonders das Akkordeon heraus, scheint fast ein Totentanz vor dem jüngsten Gericht zu sein.

So what So what“ ist definitiv das Lied vom Album, das mir am wenigsten gefällt. Der Rhythmus und die Intonation bleiben recht eintönig. Das mag in der ersten Minute noch gefallen, wird dann aber noch einiger Zeit etwas langweilig. Aber dennoch Musik, die gut im Hintergrund laufen kann.

„The pitchforks in the hay and we’ll live another day. As long as we can get through another day”
This way to the Egress – We’ll all soon be dead

Das Zitat und gleichzeitig der Refrain aus „We’ll all soon be dead“ gefällt mir dann wieder. Der Text ist recht makaber, es geht um den Tod der Familie des Erzählers und wie alle bloß auf den Tod warten. Dennoch ist der Refrain, der im Übrigen im Chor gesungen werden, allein durch die häufige Wiederholung recht einprägsam und fast schon munter. Es ist definitiv eines der Lieder an denen man den Cabaret-Charakter des Album erkennt.

The Swashbuckler“ ist ein Lied in dem es um die Seefahrt geht. Es fängt langsam an, mit einem „gruseligen“ Intro und nach dem ersten Drittel zieht das Tempo merklich an. Nach diesem Teil folgt das letzte Drittel in dem fast nach Piratenart kräftig mitgejubelt werden kann, was sich auch noch ein, zwei Mal wiederholt. Charakteristisch für dieses Lied sind die Stimmen und Gejohle im Hintergrund und das Klavier.

Das vorletzte Lied „Delicious Cabaret“ ist – ganz offensichtlich – der Namensgeber für das Album. Meines Erachtens belegt es auch locker Platz zwei der Albumhitliste. Auch wenn ich zugeben muss, das mir am meisten die Passage gefällt, in der man fröhlich „dadada“ mitträllern kann. Ein richtig gutes Lied zum Joggen.

[quote style=“boxed“]Hey Babe where’d ya say you were going? Goin down the street to see Delicious Cabaret
This Way to the Egress – Delicious Cabaret
[/quote]

Das Ende des Albums läutet “Saint” ein – nicht ganz das Ende denn es folgen noch ein paar recht amüsante Outtakes. Auch dieses Lied finde ich gut, da es in sich recht vielseitig ist. Ein guter Abschluss, der nicht so sehr aufdreht und eine recht ernste Stimmung aufbaut. Fast schon dramatisch, könnte man wohl sagen.

In anderen Worten, es lohnt sich wirklich in das Album einmal hineinzuhören. Manche Songs gibt es auch auf der Facebook und MySpace Seite zum kostenlosen anhören. Wer dann Feuer gefangen hat, der kann sich schon einmal auf Weihnachten freuen. Dann wollen This Way to the Egress nämlich ein paar Weihnachtslieder herausbringen – pünktlich zu Heiligabend (ob das auch mit unserem Heiligabend in Deutschland zusammentrifft…?). Außerdem ist das zweite Album bereits in Arbeit. Ich bin also sehr gespannt!

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Kategorie Alben, Kritiken, Steampunk

Ich bin Janina und komme aus Norddeutschland. Daher stammt wohl auch der Faible für düstere Musik (schlechtes Wetter und viel Wind ;)), die nicht ganz der Norm entspricht. Mit einem schrägen und rauen Sinn für Humor und einer großen Begeisterung für Steampunk und Mittelalter bin ich in diesem Blog für die Seitenblicke auf etwas ausgefallenere Projekte zuständig. (Janina bei Google+)

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