Muse – das 2. Gesetz live in Hamburg

Um 22:25h verließ die Band mit viel Schall und Rauch im Nebel die Bühne. Dabei war die Show alles andere als bedeutungslos.

Muse live in Hamburg
Zwei Stunden vorher: 20:25h. Die Vorband (siehe Nachwort) hatte die Bühne verlassen und es wurde fleißig aufgebaut. Meine Muse-erprobte Begleitung deutete schon zu Beginn auf den Würfel an der Decke – damit würde also viel passieren. Muse ließen sich nicht lange bitten und kurze Zeit später stolzierten sie mit ihrem „Unsustainable“-Intro auf die von allen Seiten einsehbare Bühne. Wie nicht anders zu erwarten, wurden sie mit allergrößtem Jubel empfangen. Weiter ging es mit dem „The 2nd Law“-Erfolg „Supremacy“, das ich in gewohnter WG-Manier falsch mitsang (Anm. d. Red.: Berit hatte den Text nicht drauf). Es folgte eine ungemein gute Mischung aus Songs des neuen Albums und fantastischen Muse-Klassikern wie „Map of the Problematique“„Sunburn“„Supermassive Black Hole“ und „Time is Running Out“ – wobei spätestens bei Letzterem die Menge nicht mehr zu halten war. Dennoch war ich von der Stimmung der Fans ein bisschen enttäuscht. Gesprungen wurde nur in den vordersten Reihen, und dabei stand ich sogar relativ weit vorne. Ein bisschen mehr Ausrasten wäre irgendwie ganz cool gewesen.

Muse live in Hamburg
Muse: Das heißt wohl Perfektion. Davon durfte ich mich als bisherige Muse-Jungfrau selbst überzeugen. Nicht ein einziger Patzer im Gitarrenriff, nicht ein einzig schiefer Ton in Matts Gesang. Konzentrierte Musiker stehen da auf der Bühne, die nicht mit Konversation begeistern möchten. Außer einem „Vielen Dank“ und „Es ist schön, wieder in Hamburg zu sein“ wurde Musik gemacht, denn dafür waren die Fans ja auch schließlich da. Und für diese wahnsinnige Lichtershow. Meine Begleitung sollte recht behalten – mit dem Deckenwürfel wurde einiges gemacht! Ein Gebilde aus LED-Monitoren, das sich als eine kopfüber hängende Pyramide über der Bühne, in sich auf und ab bewegte. Zu sehen waren neben vielen abstrakten Mustern und Lichtern auch mal die Musiker von Nahem und das Publikum. Manchmal wurden sogar ganze Kurzfilme ausgestrahlt („Animals“), die mich so fesselten, dass ich mehr auf die Monitore statt direkt auf die Bühne starrte. Vor der Zugabe senkte sich die Pyramide fulminant vollständig auf den Boden, nahm die Band in sich auf und löste einen stürmischen Beifall aus. Obwohl die Show (angeblich) sehr viel ruhiger und actionarmer war als bei der Resistance-Tour, war ich völlig hingerissen. Ich glaube, je nachdem wo man sich in dieser großen Halle befand, nahm man das Konzert auf völlig unterschiedliche Weise wahr. Matt und Chris standen selten auf nur einem Platz und auch Dom am Schlagzeug schenkte mit seinem drehenden Podest auch dem hinter der Bühne sitzendem Publikum Aufmerksamkeit. Gänsehaut hatte ich bei einem so unglaublich gut inszenierten „Madness“ und eine erhöhte Endorphinausschüttung als Chris mit der Mundharmonika mit der „Spiel mir das Lied vom Tod“-Melodie die absolute Muse-Hymne „Knights of Cydonia“ einläutete.

Tipp:  Florence and the Machine live Hurricane 2012 (Video)

Muse live in Hamburg
Ich fragte anschließend meine persönliche Muse-Expertin, ob die Band eigentlich Spaß auf der Bühne hätte, weil ich nie auch nur ein Zucken in den Mundwinkeln wahrnehmen konnte. Wer sich so konzentriert und eine solche Show liefert, hat vielleicht keine Zeit zum Lachen. Ich lache auch nicht beim Zwiebelschneiden. Schlussendlich ist es mir auch gleich. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß. Danke Muse – für zwei großartige Stunden.

Im Nachwort die Vorband:
Zwei wilde Gören im America-Stil an Gitarre und Schlagzeug. Deap Vally sind Gegröle, Gekreische und ein Po, der beinahe aus der Hotpants purzelt. Ich fühlte mich ein wenig erinnert an Twisted Sisters. War nichts.

PS: Heute in der U-Bahn habe ich heimlich „Starlight“ mitgeklatscht.

Kategorie Konzerte, Kritiken

Gebürtig aus Delmenhorst, sage ich allen lieber, dass ich aus Bremen komme, um nervigen Sarah Connor-Kommentaren aus dem Weg zu gehen. Musik feiere ich und ich singe alles mit, auch die Geräusche unserer Waschmaschine. In U-Bahnen reiße ich mich zusammen, nicht K.I.Z. mitzurappen, damit mich keiner schief anguckt, während ich bei Florence & the Machine beinahe weinend in der Menge stehe und vor Begeisterung keinen Ton herausbekomme. Ähnlich wie die vier Stadtmusikanten nach Bremen reisten, um Musik zu machen, reise ich durch die verschiedenen Genres, um Musik zu hören.

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