Sunday Driver

Die britische Band Sunday Driver ist ein neues Beispiel für die musikalische Vielfalt des Steampunks. Dieses Mal kommt diese exotische Interpretation nicht aus der entfernten USA sondern direkt aus der europäischen Ecke, dem United Kingdom. Sunday Driver ist dabei auch gar nicht das, was man gewöhnlich unter Steampunk versteht: Sie mischen indische Einflüsse mit viktorianischen britischen Klängen und erwecken dabei auch Eindruck von „World Music“.

Die siebenköpfige Band aus Cambridge hat gerade im vergangenen Jahr auf vielen Festivals gespielt. Mit von der Partie sind Joel Clayton an Gitarre und Sitar, Kat Arney an Harfe, Klarinette und Spoons, Amit Jogia mit der Tabla, Melon am Bass und Chemise an der Gitarre. Chandy Nath leiht den Liedern ihre schöne Stimme und schließlich  Scot Jowett an den Drums.

Ihr erstes Album von 2009 „In the City of Dreadful Night“, das auch vom britischen Arts Council unterstützt wurde wird jetzt im neuen Jahr im April auch durch ein zweites „The Mutiny“ unterstützt. Daher hier einmal im Vorfeld etwas über das erste Album.

Schon das Cover gefällt mir, es ist schwarzweiß, eine viktorianisch anmutende Zeichnung einer Stadt – oder wohl eher genauer Gebäude und viktorianisch gekleideter Menschen. Das innere des Booklets wirkt wie eine wirre Tageszeitung und lässt sich durchaus länger betrachten.

Die Einstimmung fällt dem Song The Gayatri Mantra zu. Er ist sehr orientalisch angehaucht und zeigt sofort die Connection zu den indischen Einflüssen auf. Ansonsten haut mich der Song nicht so aus den Socken und kommt mir mehr wie ein langes Intro vor.

Tipp:  Sunday Driver - The Mutiny

Meine absoluten Lieblingssongs sind Black Spider und Heroes. Ersterer steht auch zum freien Download auf der Website von Sunday Driver zur Verfügung. Hier ist der Refrain besonders mitreißend, er hat auch gleichzeitig etwas Düsteres. Auch die Instrumentauswahl und die tüpfelnden Klänge lassen mich irgendwie an das Krabbeln von langen Spinnenbeinen denken.

Heroes beginnt recht unspektakulär aber besonders das Ende wird mitreißend und schneller. Mit etwas poetischen Gesängen über Helden, die das Licht und die Aufmerksamkeit lieben, wird es dann schnell dramatisch. Schließlich setzt ein Intro ein, dann ändert sich die Stimmung von fast andächtig zu fetzig. Wirklich zu empfehlen.


Sweet Dreams ist wieder ein sehr ruhiger Song. Die Gitarren- und Harfenklänge plätschern so dahin, sind sehr entspannend. Entfernt erinnert mich der Song sogar an My Immortal von Evanescence. Weiter geht es mit dem Lied Bakul Bagan Road, das ich kurz mysteriös nennen würde. Es beginnt passend dazu auch Mantra artig mit „Tell me, tell me, tell me“. Die Instrumente sind hier besonders orientalisch und erinnern an indische Bauchtänzerinnen.

Der folgende Snow Song ist wieder ganz ruhig, fast leise. Zwischendurch hat man das Gefühl Chandy flüstert fast. Spindrift ändert nicht viel an dem Eindruck. Hier ist sogar die instrumentale Begleitung minimal, aber dafür wirklich schön. Manchmal hilft es auch, die Dinge einfach und kurz zu halten.

Down by the Den beginnt mit Trommeln, dann geht es orientalisch weiter. Der Refrain ist besonders rhythmisch und auch der orientalische Einfluss wird immer stärker. Gegensatz dazu bietet gleich wieder Rats. Diese Song mag ich wegen der unterschiedlichen Aspekte. Manchmal – besonders in der Bridge – wird es plötzlich besonders dramatisch  dann wieder ruhig. Das Ganze ist etwas zackiger und wuseliger – vielleicht umauch an Ratten zu erinnern?

Tipp:  Sunday Driver noch kurz für nix oder "Pay-what-you-want"!

Bol and Spoon beginnt ganz anders als der Rest mit einer Art Sprechgesang. Auch dieses Lied ist sehr orientalisches angehaucht. Es wird komplett auf indisch (?) gesungen. Gefallen tut mir der Refrain, der etwas von Chorälen hat und dramatisch ist. Ich könnte ihn mir gut als dramatische Untermalung eines Thrillers vorstellen – der Held muss schnell die Welt retten, die am seidenen Faden hängt.

Naked Bodies beendet das Album dann auch schon und wirklich gut. Es ist einer des besten Songs der Scheibe. Die spitzen Töne und der hohe Gesang geben dem Text eine gewisse Würze, die auch nicht zu dick aufgetragen ist.

Gerade hat Sunday Driver auch bei Bandcamp ein digitales Album ihrer Vintage Collection hochgeladen, das für 7 Pfund zum Download bereitsteht. Es ist ein digitales 13 Track Album, dessen Songs zwischen 2001-2006 aufgenommen wurden und sich daher meiner Meinung nach vom Stil her etwas vom ersten Album abheben. Das ist aber gar nicht schlecht, da hier der World Music Effekt etwas zurücktritt und gerade denen zu gute kommt.

Besonders zu empfehlen ist hier der Song Valentine, ein ruhiges entspanntes Lied das nicht nur am Tag der Liebenden – den Valentinstag – das Herz warm hält. Chandys klare Stimme schafft gemeinsam mit den Klaviertönen eine romantische Atmosphäre, die mich ganz still und andächtig werden lässt. Vielleicht hängt diese Gefühlstiefe damit zusammen, dass sie ihn auch geschrieben hat.
Ich empfehle wirklich jedem da einmal hineinzuhorchen.

Kategorie Alben, Kritiken, Musik & Videos, Steampunk

Ich bin Janina und komme aus Norddeutschland. Daher stammt wohl auch der Faible für düstere Musik (schlechtes Wetter und viel Wind ;)), die nicht ganz der Norm entspricht. Mit einem schrägen und rauen Sinn für Humor und einer großen Begeisterung für Steampunk und Mittelalter bin ich in diesem Blog für die Seitenblicke auf etwas ausgefallenere Projekte zuständig. (Janina bei Google+)

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